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Elterninitiative MV-Bildung ist Zukunft | Bessere Bildungschancen für unsere Kinder



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Neue Pläne zu Förderschulen stoßen auf Skepsis

16.03.2010 12:45 (Kommentare: 0)

Ostseezeitung | Von MATTHIAS JÜGLER

Greifswald. "Es gibt Unruhe in der Stadt, einige Elternhäuser sind aufgeschreckt', gab Schulrat Fred Baumann vor dem versammelten Elternrat zu. Am Mittwoch diskutierten besorgte Mütter und Väter in der Kollwitzschule über die geplanten Neuerungen vom Land. Diese sehen wie folgt aus: An Förderschulen soll es ab 1. August dieses Jahres keine ersten Klassen mehr geben. Laut Baumann gehe es dabei vor allem um die Integration der Kinder: "Das gemeinsame Lernen steht im Vordergrund, wir wollen niemanden ausgrenzen." Gerade in der ersten Klasse sei es doch wichtig, dass die Kinder zusammen lernen und die schwächeren von den stärkeren Abc-Schützen profitieren, so der Schulrat.

Ein Grund für die Neuerungen sei auch das alarmierende Ergebnis der bundesweiten Intelligenzdiagnostik, so Baumann. Laut Statistik ist der relative Anteil von Schülern mit ,,sonderpädagogischem Förderbedarf in MV doppelt so hoch wie im Rest Deutschlands. Durch Integration von Kindern mit Förderbedarf möchte man diesem Ergebnis, entgegenwirken, so der Schulrat.

Genau hier haben die Mitglieder des Stadteltemrates Vorbehalte. "Wir sind ja grundsätzlich nicht dagegen, aber die Voraussetzungen müssen stimmen. Die Klassen sind doch schon voll", sagt Claudia Metz, Vorsitzende des Rates. "Deshalb fordern wir zusätzliche Mittel." Die wird es jedoch vorläufig nicht geben. Baumann zufolge werden auch die Lehrkräfte keine besondere Schulung im Vorfeld erhalten: "Jeder ist doch auch individuell dafür verantwortlich, sich fit zu halten." Ob die Änderungen ein Erfolg werden, sei nicht zuletzt auch von jedem einzelnen Lehrer abhängig.

Weiterer Stein des Anstoßes: "Ein Kind mit Verdacht auf sonderpädagogischen Förderbedarf wird frühestens zum zweiten Schulhalbjahr hin diagnostiziert", sagt Baumann. Dies gelte auch für den Fall, dass im Verlauf des ersten Schulhalbjahres schon massive Beeinträchtigungen auffällig werden. Hinzu kommt die Entscheidungsfreiheit der Eltern, ob sie eine Diagnose des eigenen Kindes wünschen oder nicht. "Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten geschieht das nicht", sagt Baumann. So eine Entscheidung müsse dann zusammen getroffen werden.

Das Thema Integration sei laut Baumann bei vielen noch nicht angekommen.,, Das ist traurig",, meint der Schulrat und ergänzt: "Viele trennen noch ganz kategorisch zwischen 'behindert' und 'nichtbehindert'." Claudia Metz und die Mitglieder des Stadteltemrates wollen im neuen Schuljahr genau beobachten, wie die Integration in den Schulen umgesetzt wird. ',Ich habe jetzt schon ordentlich Bauchschmerzen", sagt sie.

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INFO

MV hinkt hinterher

Was können unsere Kinder im bundesweiten Vergleich? "Intelligenzdiagnostik" heißt der Test, der in ganz Deutschland durchgeführt wird, um zu zeigen, weiche Probleme die Schüler der ersten bis zehnten Klassen haben. Die "relative Häufigkeit von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf" ist eine Facette dieses Tests.

Hier das ernüchternde Resultat:

  • In Mecklenburg-Vorpommern haben 12,7 Prozent der Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf. Bundesweit sind dies nur 6,1%.
  • Die Schüler in M-V mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben unter anderem auf folgenden Gebieten Probleme (in Klammem jeweils der Bundesdurchschnitt):
    • Sprache: 1,4% (0,7%) - Lernen: 6,4 % (2,8 %)
    • Geistige Entwicklung: 2,0 % (1,0%)
    • Emotionale und Soziale Entwicklung: 1,8% (0,7%)

Quelle: Schulamt Greifswald

 

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